Minibohrpfähle stabilisieren Gebäude


Sanierungsmaßnahmen fallen im Regelfall an Gebäuden an, die sich in Mitten bebauter Umgebung befinden. Stellt dann der Statiker fest, dass Stützpfeiler oder tragende Mauern Lasten nicht mehr sicher aufnehmen, die Verteilung und die Einleitung der Lasten in den Baugrund ungleichmäßig erfolgen oder der Baugrund nicht ausreichend tragfähig ist, also die Standsicherheit gefährdet ist, verlangt die Stabilisierung des Gebäudes besonderes Können von den Sanierern.

So auch bei der Stadtkirche in Pößneck: Das verantwortliche Geraer Ingenieurbüro fand eine nur unzureichende Gründung der Strebepfeiler an der Nordfassade vor. Über Jahrzehnte war das Gelände vor der Kirche durch Straßenbauarbeiten abgetragen worden. Dadurch wurden die Gründungskörper freigelegt und die Strebepfeiler standen nur noch auf Erdaufschüttungen. Erst in Gründungstiefen von 3,2 bis 4 Metern fand man ausreichend tragfähige Baugrundschichten. Zusätzlich hatte die ständig einwirkende Feuchtigkeit die Gründungskörper aus Naturstein am Fuße der Stützpfeilersockel sehr stark geschädigt und somit seine Stützwirkung beeinträchtigt. Es bestand die Gefahr der Rissbildung im Mauerwerk.

Um Gebäude zu stabilisieren, setzt man noch sehr häufig in solchen Fällen auf die herkömmliche Methode der Einzelfundamenterneuerung als Blockfundament. In der Regel werden für die Herstellung dieser Fundamente Verbaueinheiten verwendet. Diese Gründungsvariante verlangt ein sehr hohes Maß an Baugrubensicherung und Rückbauarbeiten und verlangt bei der Ausführung ausreichend Platz. Im Fall der Pößnecker Stadtkirche hätten die Blockfundamente nicht tief genug gegründet werden können, um auf tragfähigen Schichten zu ruhen. Die Geraer Ingenieure entschieden sich deshalb für die Bohrpfahlgründung, zumal bei dieser Methode Setzungen weitgehend ausgeschlossen werden können.

Nach dem Sichern der Strebepfeiler und dem Rückbau der Sockel wurden Minibohrpfähle mit einem Durchmesser von 18 bis 20 Zentimetern mit Hilfe spezieller Bohrtechnik bis in die tragfähigen Bodenschichten eingebracht und mindestens zwei Meter tief eingebunden. Durch eine bewehrte Betonplatte wurden die Minipfahlbohrköpfe verbunden und dann die Sockel die gesicherten Pfeiler wieder aufgemauert.

Eine ähnliche Ausgangssituation gibt es bei der Sanierung der Säulenhalle im Schloß Osterstein. Hier entschied das Geraer Ingenieurbüro, dass künftig je drei Minibohrpfähle die Einzelfundamente zweier Säulen ersetzen werden.

Dieses Spezialverfahren der Bohrpfahlgründung verlangt zwar Spezialisten und Spezialtechnik, benötigt aber wenig Platz in der Ausführung und keine Baugrubensicherung. Es ermöglicht größere Bohrungstiefen, hohe Tragfähigkeit und ist weitgehend setzungsunempfindlich.